Karfreitag Mathe

6. April '12

 

Ich glaube, die Kirchenväter waren mit Addieren nicht so gut drauf. Jesus sagte, er würde 3 Tage im Grab sein; danach würde er wieder lebendig werden. Und doch Freitag bis Sonntag sind nur 2 Tage. Hmm

 

Es ist ein grauer regnerischer Tag hier in Nord Georgia, USA, während ich diese Gedanken Tippe. Und ich denke an den Schmerz, den Jesus am Kreuz und in den Tagen davor erlitten hat, damit ich ein neues Leben habe, frei von der Schuld meiner Sünde. Die Schmerzen, die in meinem Leben erleide und die Ungerechtigkeiten in meiner Welt bringen mich dazu, mich noch mehr auf die Auferstehung zu freuen. Hoffnung nimmt als Folge meiner minimalen Lebensschmerzen allmählich neue Bedeutung für mich an... Schmerzen, die blasen im Vergleich zu den Schmerzen Jesu.

 

Paulus sagte in Kolosser 1,24: “Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt, für seinen Leib, das ist die Gemeinde.” Fehlen noch Leiden? Hat Jesus das Werk am Kreuz nicht vollendet? Hat er nicht am Kreuz selber gesagt, “Es ist vollbracht”? Was könnte denn noch an seinem Leiden fehlen? Weil Jesus nicht nur am Kreuz für unsere Sünden gestorben ist sondern auch am dritten Tag wieder lebendig wurde, lebt er jetzt wahrhaftig in uns, die wir das Geschenk der Vergebung angenommen haben. Und so wenn wir leiden, leidet er mit uns. Das Werk der Erlösung hat er am Kreuz vollbracht, aber die ganze Schöpfung seufzt immer noch. Römer 8:22: “Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet.” Wenn wir seufzen, seufzt er auch. Wenn wir leiden, leidet er auch mit uns immer noch. Sein Leiden war am Kreuz doch noch nicht zu Ende. Er leidet noch mit uns. Und wir warten mit großer Hoffnung auf Sonntagmorgen, auf die Auferstehung, auf die Vollbringung dessen, wofür wir gemacht worden sind. Für uns hat das Warten, das Seufzen, das Leiden mehr als zwei Tage gedauert... mehr als drei Tage. Doch seufzen wir und leiden wir immer noch. Das Wort, “Hoffnung” nimmt mit jedem Tag mehr und mehr Bedeutung an. Wie privilegiert ich bin zu seufzen, zu leiden, zu warten, zu hoffen!

 

30 Jahre

3. March '12

Jetzt sind es schon 30 Jahre Deutschland! Das heisst, jetzt haben wir mehr Zeit in Deutschland verbracht, als wir jemals in USA in unserem Leben verbracht haben. Deutschland ist wirklich zu Haus geworden. Unsere ganzen Investitionen sind da... und ich meine nicht finanzielle Investitionen. Seit meiner letzten Post, habe ich viel an den Choral, "Built on the Rock" gedacht. Er ist echt zum Ohrwurm geworden. So bin ich ins Studio gegangen und habe mein eigenes Arrangement aufgenommen. Hier ist es: Built on the Rock

Earthquakes

18. March '11

So many earthquakes... so much sorrow. What do we do with this?

 


As we looked at pictures of Christchurch, NZ, Sus and I couldn’t help think of a chorale written by the Danish hymnwriter,  Nikolai F. S. Grundtvig in 1837, a theological statement of what the church really is:

 

Built on the Rock


Built on the Rock the church doth stand,

Even when steeples are falling;

Crumbled have spires in every land,

Bells still are chiming and calling;

Calling the young and old to rest,

But above all the soul distressed,

Longing for rest everlasting.


Surely in temples made with hands,

God, the Most High, is not dwelling;

High above earth His temple stands,

All earthly temples excelling;

Yet He whom heavens cannot contain

Chose to abide on earth with men,

Built in our bodies His temple.


We are God’s house of living stones,

Builded for His habitation;

He through baptismal grace us owns,

Heirs of His wondrous salvation;

Were we but two His Name to tell,

Yet He would deign with us to dwell,

With all His grace and His favor.


Now we may gather with our King;

Even in the lowliest dwelling:

Praises to Him we there may bring,

His wondrous mercy foretelling;

Jesus His grace to us accords,

Spirit and life are all His words,

His truth doth hallow the temple.


Still we our earthly temples rear,

That we may herald His praises;

They are the homes where He draws near

And little children embraces,

Beautiful things in them are said,

God there with us His covenant made,

Making us heirs of His Kingdom.


Here stands the font before our eyes

Telling how God did receive us;

The altar recalls Christ’s sacrifice

And what His table doth give us;

Here sounds the Word that doth proclaim

Christ yesterday, today, the same,

Yea, and for aye our Redeemer.


Grant then, O God, wherever men roam,

That, when the church bells are ringing,

Many in saving faith may come

Where Christ His message is bringing:

“I know Mine own, Mine own know Me;

Ye, not the world, My face shall see.

My peace I leave with you.”



Psalm 93

The Lord reigns, he is robed in majesty; 

the Lord is robed in majesty and armed with strength;

indeed, the world is established, firm and secure.

Your throne was established long ago; 

you are from all eternity.


The seas have lifted up, Lord, 

the seas have lifted up their voice; 

the seas have lifted up their pounding waves.

Mightier than the thunder of the great waters, 

mightier than the breakers of the sea - 

the Lord on high is mighty.


Your statutes, Lord, stand firm; 

holiness adorns your house for endless days.


 

What my daughter-in-law, Whitney, wrote in her blog is perfect:

 

When it seems that the earth is anything but firm and secure, how good it is to be reminded that the Lord reigns over all of it. That His plan is to prosper, not to harm. That He is so much more powerful than the most violent, powerful seas our generation has seen.

 

Der sechste Sinn

17. March '11

Wir leben in einer postmodernen Welt. Postmodernismus sagt, objektive Realität ist Mythos. Jeder Mensch definiert seine eigene Realität an Hand von seiner Wahrnehmung, seiner Auffassung seiner Umgebung. Nun, wie nehmen wir unsere Umgebung denn wahr? Die Antwort ist sechserlei: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Das ist aber eine ziemlich kleine, eingeschränkte Realität, oder? Aber das sind nur fünf. Was ist unser sechster Sinn?

 

2 Korinther 5,7 sagt, “denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.” Wenn der Glaube also ein sechster Sinn ist, was dann ist das eigentlich? Hebräer 11,1: “Der Glaube aber ist eine Wirklichkeit dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht.” Wirklichkeit? Überführtsein? Hört sich doch an wie Realität.

 

Immer wieder hören wir, “Glaube nur...” Aber Glaube muss ein Objekt haben. Man kann keinen Glauben haben, ohne Glauben in etwas zu haben. Wenn Paulus also sagt, wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen, was ist dann das Objekt dieses Glaubens? Die Bibel definiert für jeden von uns eine objektive Realität, die nicht nach unserer Wahrnehmung fundiert ist sondern nach Gottes Charakter und seinen Verheissungen. Also unser sechster Sinn ist die Wirklichkeit und das Überführtsein von Gott in unserem Universum, Vertrauen in IHM und in dem, was Er sagt, auch wenn wir Ihn mit unseren fünf Sinnen oder mit unserer Logik nicht wahrnehmen können. Ein sechster Sinn.

 

All zu oft kaufe ich mich bei postmodernistischem Denken ein, das behauptet, meine fünf Sinnen sind mehr Wert als mein sechster Sinn des Glaubens. Und so setze ich ihn nicht ein. Wie klein, die Realität, die ich definiere! Wie enorm gewaltig wäre meine Realität, wenn ich einfach meine “Glaubensaugen” aufmachen würde und meinen sechsten Sinn einsetzen würde! Um das zu tun, muss ich den kennen, in den ich meinen Glauben setze, das Objekt meines Glaubens.

 

In einer Welt, der nach Wahrheit hungert, weil Postmodernismus sagt, es gibt keine Wahrheit, kann ich mit meinem sechsten Sinn an der Wahrheit schlemmen, indem ich daran glaube, was Gott über sich und über mich sagt. Und das, was Er sagt ist “unglaublich!” Unglaublich gut! Ich soll lernen, was diese Wahrheit bedeutet. Ich soll wissen, was das Objekt meines Glaubens ist. So forsche ich Seine Wahrheiten (nicht meine) in Seinem Wort, der Bibel. “Das Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht”, die Wirklichkeit von all dem, was ich hoffe. “Unsere Hoffnung aber wird uns nicht enttäuschen. Denn dass Gott uns liebt, ist uns unumstößlich gewiss. Seine Liebe ist ja in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat.” Römer 5,5. Versuch doch mal das ohne deinen sechsten Sinn zu begreifen!

 

Barmherzigkeit und Gnade

22. October '10

Barmherzigkeit: Ich bekomme nicht, was ich verdiene.

 

Gnade: Ich bekomme, was ich nicht verdiene.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hingabe und Übergabe

21. October '10

Neulich denke ich ständig an diese beiden Begriffe, Hingabe und Übergabe. Ich habe mich bisher als "hingegebenen Christ" bezeichnet. In dieser Hinsicht bedeutet Hingabe meine Entscheidung, Jesus zu folgen. Ich bin in Kontrolle über meine Hingaben. Ich entscheide mich, meine Kreditkarteneinkäufe zu zahlen. Ich verpflichte mich, meine Miete rechtzeitig zu zahlen. Aber jederzeit bin ich in der Lage, mich anders zu entscheiden. Mit Übergabe aber gebe ich meine Kontrolle und meine Entscheidungen auf. Ich lasse los. Ich rutsche vom Fahrersitz zur Seite und lade Jesus ein, seine Hände auf das Lenkrad zu legen und mein Leben in die Richtung zu lenken, die ER will. Das ist furchterregend und ich glaube, dass Gott sich mehr für meine Übergabe interessiert, als für meine Hingabe. Der Prophet Jesaia im 6. Kapitel seines Buchs im Alten Testament sagte Gott am Ende seiner Vision, "Hier bin ich; sende mich!" Er hat sich einfach Gott zur Verfügung gestellt. Ich will lernen, das täglich zu machen, anstatt Gott jeden Tag zu versprechen, Ihm zu folgen und etwas für Ihn zu tun. Meine Hingabe ist wichtig, aber wenn ich lernen könnte, zur Seite zu treten und ihm all das zu übergeben, ich glaube, alles anderes wird natürlicherweise auch geschehen. Hier ist einen Artikel, den ich tiefgreifend empfunden habe: http://www.navpress.com/dj/content.aspx?id=4422

 

29 Jahre Deutschland

14. August '10

 

Gestern vor 29 Jahren landete im Flughafen Frankfurt ein 747. Ich erinnere mich daran, dass ich fast ein wenig Angst hatte, europäische Luft zum aller ersten Mal in meinem Leben in die Lunge einzuatmen. 29 Jahre! Das entspricht genau die Hälfte meines Lebens, die ich in diesem schönen Land verbracht habe… und, sag ich dazu, die beste Hälfte… die produktivste, die bewussteste Hälfte. Jetzt ist es zu Hause.

 

Der Begriff “Kulturschock” ist total die Fehlbezeichnung. Wir haben ihn gar nicht einmal für die ersten zwei Jahre erlebt. Und anstatt eine Art “Schock”, war er mehr wie ein Schwelbrand. Etwas, was sich so allmählich merken lässt. In unserer ersten Wohnung in Deutschland haben Susie und ich alle Fenster, Rollläden und Türen zu gemacht und dann geschrieen so laut wir nur konnten… über die blöden Türgriffen woran unsere Hemdsärmeln ständig hängen blieben… oder über die Toiletten mit “Bühne”… oder wie so ziemlich jeder es zum Hauptanliegen genommen hat, mir beizubringen, wie man auf der Autobahn zu fahren hat. Das Schreien hat geholfen…. zumindest für einpaar Tage, bis zur nächsten Schrei-Session.

 

Kulturschock-Experte sagen, dass ein emotioneller Tiefpunkt erst nach etwa 2 Jahren kommt, nachdem man in einem neuen, fremden Land ist. Nur dann beginnt diese abwärts sinkende Spirale zu verlangsamen und dann allmählich durch die Jahre hindurch zu steigen. Aber man gelingt es nie wieder hundertprozentig auf emotionelles “ground-zero” zu kommen. Du bist immer Ausländer, Fremder. 

 

29 Jahre ist eine lange Zeit. Manchmal müssen wir ganz bewusst daran denken, welche Sprache wir gerade in einem bestimmten Moment sprechen. Vor einigen Jahren habe ich eine kleine historische Führung für eine Gruppe Musikern aus Nashville durch eine deutsche Stadt. Während wir gelaufen sind und ich erzählt habe, fing ich an zu merken, dass die Gruppe komische Gesichter gemacht hat. War mein Reisverschluss vielleicht offen? Schliesslich hat mir einer das grosse “T” (time-out) Zeichen gegeben und dabei sagte, “English please!”

 

Also gestern morgen hat Susie einen grossen Blumenstrauss als kleines Dankeschön bekommen, dass sie es 29 Jahre mit mir in einem fremden Land ausgehalten hatte. Fremdes Land… eigentlich nicht mehr. “Fremd” ist es, wenn wir wieder nach USA fliegen und feststellen, dass das auch nicht mehr zu hause ist.

 

Wer sind wir denn also? Wo gehören wir hin? Für keine Sekunde zweifele ich dran, dass ich hierhin gehöre. Jahrelang haben wir hier im Leben, in Menschen investiert. Es gibt nichts auf der Welt, was ich lieber tun würde, niergendwo anders, wo ich lieber leben möchte.

 

Hier der Text eines Liedes, das wir fast immer in unseren Konzerten singen:

 

Wo gehöre ich hin, wo bin ich zu Hause?

Wo kann ich mich vor dem Sturm verbergen?

Ich bin nicht mehr ganz sicher.

An wen kann ich mich lehnen, wenn ich nicht mehr allein gehen kann?

Es ist nicht mehr so einfach wie es einmal war.

 

Refrain:

Hilf mir, ich kann nicht auf die Ewigkeit warten.

Zeig mir deine Liebe, die meine Kraft ist.

Nimm mich an dein Herz, wo ich hingehöre.

Hilf mir; diese Welt ist nicht mein Zuhause.

Zeig’ mir deine Liebe, damit ich sie jetzt erfahre.

Bring mich nach Hause, wo ich hingehöre.

 

Als ich ein Kind war, war meine Welt klar;

meine liebende Familie war immer da.

Damals fühlte ich mich bei meinen Freunden zuhause.

Sie haben mir geholfen, mich selbst zu entdecken.

Ich war sehr stolz, einer von denen zu sein.

 

Refrain…

 

Jetzt weiß ich, daß menschliche Liebe

nie stark genug sein kann,

um mein ganzes Leben darauf zu bauen.

 

Refrain...

 

Wir kämpfen...

22. July '10

 

Vom Kämpfen zu reden ist nicht gerade sehr populär. Die ganze Welt schreit nach Frieden. Auch wir sehnen uns nach Frieden… in der Welt, in unserem persönlichen Leben… und vor allem in uns selber. “Friede, Friede, schreien sie; aber es gibt keinen Frieden.” (Jeremia 6,14 und 8,11) Leben ist nicht dafür da, dass wir Frieden haben… es ist aber dafür da, um Frieden zu kämpfen. "In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt." (Johannes 16,33)  Also kämfen wir… um Reinheit, Integrität und Authentizität zu erringen… und dann zu behalten. Manchmal gewinnen wir Kämpfe… und doch oft verlieren wir auch. Wir werden verletzt… verwundet. Aber so geht es im Kampf.

 

Hier ist ein Lied, das ich in den Achtzigern geschrieben habe, doch nicht die richtige Musik finden konnte… bis jetzt:

 

                 Fighter

                                                              Don Newby © 1985

             Fighter (clip)

 

Ich sah ihn die Treppen 

vom erleuchteten Ring hinunterstolpern.

Seine Augen waren fast zugeschwollen, 

er konnte kaum noch etwas sehen.

Ich sah die Narben von Tausenden von Handschuhen,

während seine eigenen an seiner Seite baumelten.

Ein Kämpfer, der direkt vom Kampf zurückkehrt,

ist nicht schwer zu erkennen.

 

Ist dies der Mann, den sie gesegnet und ausgesandt hatten,

um dazustehen und als unser Licht zu dienen?

Bei seiner Rückkehr vom Kampf

steht eine seltsame Überzeugung in seinen Augen.

 

Er ist der Kämpfer,

nicht der Applaudierende in der Menge.

Er ist der Boxer,

nicht nur ein Fan, der ihm zujubelt.

Bei jedem Atemzug

hat er nur den Preis vor Augen,

und er gibt wirklich sein Bestes.

 

Es ist noch nicht lange her,

daß das Jubeln von den Rangen

durch das Pochen in seinem Kopf

und die Schwere seiner Hände gedämpft wurde.

Der Schleier, der sich auf seine Gedanken gelegt hatte,

verschwindet langsam...

So wie das Flugzeug, das ihn nach Hause bringt, 

durch die Wolken hindurchstöst.

 

Seine Freunde werden nicht sehen, 

was aus ihm geworden ist.

Sie sehen nur die Narben;

Sie sind wie Gefangene, 

die nicht wirklich frei sind, 

weil sie nur die Stabe sehen.

 

Er ist der Kämpfer,

nicht der Applaudierende in der Menge.

Er ist der Boxer,

nicht nur ein Fan, der ihm zujubelt.

Bei jedem Atemzug

hat er nur den Preis vor Augen,

und er gibt wirklich sein Bestes.

 

 

Nun steigt er aus dem Flugzeug

in der Stadt, die er kennt und liebt.

Im Moment sind der Schmerz

und die Handschuhe des Gegners vergessen.

Aber er weis, daß er bald 

wieder im Ring stehen wird...

Der pochende Schmerz, die Handschuhe, die Menge,

die ihn umsäumt.

 

Aber was er jetzt weis, wird er nicht vergessen,

auch wenn jener Kampf begonnen hat:

Es mag sein, daß er diesen Kampf verliert,

aber er weis, daß das Spiel gewonnen ist. 

 

Er ist der Kämpfer,

nicht der Applaudierende in der Menge.

Er ist der Boxer,

nicht nur ein Fan, der ihm zujubelt.

Bei jedem Atemzug

hat er nur den Preis vor Augen,

und er gibt wirklich sein Bestes.

 

 

Der Tag, an dem ich aufhöre zu kämpfen, ist der Tag an dem ich sterbe. Also… kämpfen wir!

 

Warum beten?

7. May '10

Heiner und ich 2008Mein Freund, Heiner, kämpft seit zwei Jahren gegen Krebs. Wir gehen Schritt für Schritt, Tag für Tag mit ihm, Christa und ihren drei Töchtern durch das “Tal des Todesschattens” und stehen mit ihnen im Gebet. Wir haben viele unserer Freunde um regelmässiges Gebet für seine Heilung engagiert. Gestern haben wir Heiner und Christa besucht und dabei die Nachricht erhalten, dass der Krebs jetzt auch seine Bauchspeicheldrüse befallen hat. Laut Prognose der Ärzte hat er 10-12 Wochen zu leben. Was erzähle ich jetzt all den Leuten, die für ihn beten? Dass ihre Gebete unerhört bleiben? Sollte ich das ganze vergeistlichen und ihnen sagen, dass Gott Heiner vielleicht die ultimative Heilung geben will und ihn nach Hause nehmen will?

Das alles zwingt mich, meine ganze Theologie des Gebets neu durch zu denken. Unbewusst habe ich sicher für selbstverständlich genommen, je mehr Leute ich im Gebet für Heiner engagiere, umso größer die Chancen, dass er geheilt würde. Kann Gott “gelobbied” werden?

Der Entschluss, zu dem ich komme: Wie arrogant von mir, Gebet zu nutzen, nur um das zu bekommen, was ich will, oder vielleicht was ich meine, verdient zu haben! Ist nicht Gebet viel mehr ein Kanal für Gemeinschaft mit Gott, der auch mit mir Gemeinschaft haben möchte? Wie oft bin ich zu Ihm mit meiner persönlichen Tagesordnung ins Gebet gegangen? “Herr, Du bist groß und barmherzig. Danke für all Deinen Segen! Jetzt… hier meine Liste von Dingen, die Du für mich tun solltest…” 

Warum tendiere ich so viel im Gebet selber zu reden? Warum höre ich so wenig zu? Gestern saßen Heiner und ich für lange Momente zusammen und haben gar nicht mit einander geredet. Ich habe nur neben ihm gesessen, während er auf der Couch lag. Und es war gut. Warum tue ich das nicht mit Gott? Vielleicht ist DIES der Hauptgrund für das Beten… einfach zusammen sein mit dem, der mich wertvoll genug gehalten hatte, um für mich Sein Leben zu geben und nach alldem, mit mir zusammen SEIN will.

Ist dass denn Resignation? Habe ich meinen Glauben daran verloren, dass Gott Heiner heilen kann und mich resigniert, sein Leben aufzugeben? Nein, ich denke nicht. Es ist nicht Resignation… eher die Kontrolle über Leben und Tod aufzugeben, die sie keiner von uns sowieso besitzt. Das Leben ist oft unfair und dient dazu, mich dazu zu bringen, los zu lassen, auf zu geben, mich Gott gegenüber zu kapitulieren… die weisse Fahne hoch halten; Gott, der weiser und gnädiger und liebevoller ist als ich manchmal begreifen kann.

Doch will Gott auch, dass wir zu Ihm mit unseren Bedürfnissen und Anliegen kommen. Er hört und antwortet, wenn wir wie ein Kind mit Demut, Ehrlichkeit und Betroffenheit zu Ihm kommen. Die Bibel ist voll von solchen Beispielen. Hier nur eine:

2.Könige 20,1-6: 1 In dieser Zeit wurde Hiskia todkrank. Der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, besuchte ihn und sagte: "So spricht der Herr: 'Regle noch die letzten Dinge, denn du bist unheilbar krank und wirst bald sterben.'" 2 Als Hiskia das hörte, drehte er sich zur Wand und betete: 3 "Ach Herr, denk doch daran, dass ich mein Leben lang treu bei dir geblieben bin und mit ganzer Hingabe getan habe, was dir gefällt." Er fing laut an zu weinen. 4-5 Jesaja war inzwischen wieder gegangen. Doch er war noch nicht einmal bis zum Tor des inneren Vorhofs gekommen, als der Herr ihn noch einmal mit einer Botschaft zu Hiskia zurücksandte. Jesaja ging erneut zum König und sagte: "Du König meines Volkes, höre, was der Herr, der Gott deines Vorfahren David, dir sagen lässt: 'Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Ich will dich gesund machen. Übermorgen kannst du wieder in den Tempel des Herrn gehen. 6 Ich verlängere dein Leben um fünfzehn Jahre.

Weisse Fahne

19. April '10

Heute habe ich an meinen Lieblingsprofessor meiner Uni-Zeit gedacht. Mr. Dosien hat einiges mit mir ausgehalten. Ich war jung, unerfahren und ahnungslos und habe krampfhaft versucht zu begreifen, wer ich war, wo ich im Leben hin wollte, und wie ich überhaupt im grossen Plan passen würde. Ich konnte bei Mr. Dosien meine Frust und Verwirrung abladen. Er hat mich nicht ausgelacht und auch nicht nur toleriert. Ich werde es nie vergessen: an einem Tag habe ich bei ihm genau das gemacht: abgeladen. Er hörte lang zu, und dann reichte plötzlich in seine Tasche, holte sein Taschentuch daraus und hielt es über seinem Kopf. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was er damit meinte. 

 

Das ist jetzt 37 Jahre her. Jetzt habe ich graue Haare und werde mehr und mehr davon überzeugt, dass es im Leben darum geht, zu lernen, die weisse Fahne hoch zu halten. Ich habe die Kontrolle über das, was im Leben passiert, nicht… hab sie niemals gehabt… werde sie niemals haben, auch wenn ich manchmal meinen könnte, mein eigenes Leben zu führen. Und es hat mir all diese Jahre gekostet, um zu verstehen, was Mr. Dosien damals gemeint hatte. Es ist eigentlich ein leichter Konzept zu verstehen, nicht so leicht aber zu praktizieren. Aufgeben ist nicht eine Sache, die in unserer Performance-orientierten Gesellschaft leicht zu akzeptieren ist. Und nur Aufgeben ist auch nicht die Antwort… das wäre also Resignation. Aufgeben hat ein Ziel: wenn ich die weisse Fahne hoch halte, halte ich sie für jemanden hoch. Kapitulieren muss ich mich einem Sieger. Er muss jemand sein, der doch in Kontrolle ist; jemand dem ich vertrauen kann, das Richtige und Gute mit mir zu tun, nachdem ich kapituliert habe. Jemand, der meine Kampfwunden heilt, wenn ich vom Kampffeld zurückkehre und mich nicht in einen dunklen Kerker wirft, um mich zu strafen, weil ich sein Feind war. Und ich lerne es auch, die weisse Fahne nicht nur einmal hoch zu halten, sondern an jedem einzelnen Tag. Hier ist der Chorus von meinem Lied, “A Life in Forgiven Love”, der den Unterschied zwischen Resignation und Kapitulation ausdrückt:

 

Es gibt keine Vision in Routine und Tradition

Ein Leben in völliger Sicherheit zu führen.

Aber Leben ist nur da, wo Geburtswehen gewesen sind.

Es gibt keine Ernte, ohne daß gesät wird.

 

Es gibt keine Tränen im Geben aber im Aufgeben.

Ein Leben in vergebener Liebe zu leben hat nichts zu verlieren.